Chronik der FW Kleinlangheim

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Kleinlangheim

 

Kirchenspieß - Selbstverteidigungswaffe des NachtwächtersWeit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kleinlangheim bestand auch in unserer Gemeinde ein
passiver (z.b. Nachtwächter und Kirchenwache) und ein aktiver Brandschutz durch eine Pflichtfeuerwehr. So meldete der Markt Kleinlangheim 1817 an das königliche Landgericht Kitzingen folgende Löschgeräte: 1 große Spritze (angeschaft 1800), 1 Handspritze, Feuereimer, Leitern, Haken und Kufen.

1866 bekam die Gemeinde von der Münchener und Aachener Versicherung eine zweirädrige Löschmaschine und eine Tragspritze geschenkt.

Zu dieser Zeit gingen vom königlichen Bezirksamt die Bestrebungen aus, dass die bisher bestandenen  Pflichtfeuerwehren in freiwillige Feuerwehren umzuwandeln, von denen man sich größere Schlagkraft und Wirkung in der Brandbekämpfung versprach. Der kgl. Bezirksamtmann Vogel verfolgte mit Hartnäckigkeit sein Ziel: in jedem Dorf eine Freiwillige Feuerwehr.

So schreibt er unter anderen im Bezirksamtblatt Nr. 35 vom 10.05.1873: „ Wo eine ordentliche Feuerspritze vorhanden ist .., Leitern mit denen man das Dach erreichen kann … und gut ausgebildete Steiger und Spritzenmänner, die am besten Dienstmützen zu 54 Kreuzern und Armbinden zu 30 Kreuzern Tragen, dann genügt das. Es handelt sich nicht um ein fein gekleidetes Paradekorps, sondern Ordnung und Disziplin in die Löschmannschaft zubringen. … Man müsse endlich aus dem alten Schlendrian im Löschwesen herauskommen und zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr schreiten. … Das Bezirksamt erwartete, dass über „desfallsige Bemühungen“ in Kürze Bericht erstattet würde.


Text?1875 verlangte Bezirksamtmann Vogel kategorisch die Beschaffung einer neuen Löschmaschine von dem Markt Kleinlangheim bis Mitte 1876, da die 75 Jahre alte Druckspritze im Brandfall keine Hilfe böte. Es müssten keine Kleinlangheimer gewesen sein die damals auf dem Rathaus saßen, wenn sie nicht versucht hätten sich um diesen Befehl zu drücken. In einem Schreiben vom 01.09.1875 führte die Gemeinde an, dass die Druckspritze doch noch recht gut sei, dass die umliegenden Dörfer doch höher liegen und ein Feuer in Kleinlangheim recht schnell bemerkt würde und die Hilfe spätestens in einer Stunde eintreffen würde, dass es seit unvordenklichen Zeiten nicht mehr gebrannt hat, es fehlten der Gemeinde die Mittel und ein Lokal zur Unterbringung und nicht zuletzt sei der Ort weitläufig gebaut und es brenne sowieso immer nur ein Haus ab, auch 1632, als Kroaten und verwilderte Zivilisten den Ort überfielen, ausraubten und an alle vier Ecken anzündeten. Der Bezirksamtmann Vogel dürfte Realist genug gewesen sein diesen letzten Punkt – der auf einen Feuersegen einer Zigeunerin anspielt – solange die Linde im Gottesacker, unter der die Zigeunerin begraben sein soll, steht, soll nie mehr als ein Dach der entfesselten Flamme zum Opfer fallen - nicht als Argument anzuerkennen. Sei wie es will, solange es Feuerschutz in Kleinlangheim gibt und geben wird, wird auch von dieser Linde die Rede sein.

Text?Sicher war es ein Naturereignis – einige sprachen auch von glücklicher Weise – 1876 wurde Kleinlangheim von einer Überschwemmungskatastrophe heimgesucht und man wäre froh gewesen eine neue Saug- und Druckspritze sein Eigen zu nennen. Mit Rücksicht auf die der Gemeinde entstandenen Schäden verlängerte Bezirksamtmann Vogel die Frist zur Anschaffung der neuen Löschmaschine. Der Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung vom 18. März 1877 den Kauf einer Saug- und Druckspritze Nr. 5 zu 1.860.- Mark. Am 1. April 77 schrieb der Amtmann einen freundlichen Brief über die Anschaffung der Löschmaschine, versäumte es aber nicht „ dem Gemeindeausschuss recht dringend ans Herz zulegen, doch darauf hinzuwirken, dass auch in Kleinlangheim eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben tritt“. Nun gab es kein Halten mehr, am darauf folgenden Abend den 2. April 1877 wurden alle Männer ins Rathaus bestellt und man gründete die Freiwillige Feuerwehr Kleinlangheim. Der Gemeinderat schreibt ins Protokoll dieser Sitzung, dass die Zahl der Mitglieder auf 35 Mann beschränkt wird, die die Gemeinde ausrüsten wolle. Wie überall, so auch hier, wurde sofort dafür gesorgt, dass die Feuerwehrbäume nicht zu schnell in den Himmel wuchsen.

Erster Vorstandvorsitzender wurde Lehrer Georg Philip Beck, Erster Kommandant Paul Steinberger der auch Kommandant der Pflichtfeuerwehr war, sein Stellvertreter wurde Konrad Erhard, Schriftführer Friedrich Carl Hösch, Zeugwart Friedrich Haidt, Zugführer Bernhard Schäfer und Friedrich Mahr. Die Geräte wurden untergebracht im jetzigen Anwesen Weidt in der Pfarrgasse (jetzt Wohnhaus Werner Weidt).

Es ist anzunehmen, dass von 1877 bis 1912 schriftliche Niederlegungen angefertigt wurden, doch sind diese im Laufe der Zeit „verschüttet“ gegangen. Nach mündlichen Überlieferungen ist die Wehr in dieser Zeit von größeren Einsätzen verschont geblieben.

1904 baute die Gemeinde für 3.000.- Mark ein geräumiges Feuerwehrgerätehaus am Ortsausgang Richtung Feuerbach.

Durch Blitzschlag wurde im Sommer 1917 die Scheune von Bürgermeister Martin Späht und 1923 die Scheune von Johann Schäfer in Schutt und Asche gelegt. Vermutlich durch Brandstiftung ging im November 1923 die Scheune des Anwesen Goldmeyer in Flammen auf. Die Scheune mit Wohnhaus von Lorenz Umbeer Bahnhofstr. 45 wurde am 17. 10. 1926 ein Raub der Flammen. Die Wehren aus Atzhausen und Feuerbach leisteten Löschhilfe. Zum Brand der Scheune der Geschwister Brügel am 14.09.1929, bei der die Brandursache unbekannt blieb, schreibt der Chronist: „das Feuer griff so schnell um sich, dass innerhalb einer dreiviertel Stunde die Scheune mit Stall in Asche gelegen ist“.

Es wurde auch immer wieder die Ausrüstung der Wehr durch die Gemeinde ergänzt, so lesen wir, dass 1930 60 laufende Meter Schläuche und 2 Steigerausrüstungen beschafft wurden. Eine Bahnbrechende Anschaffung zur Bekämpfung von Bränden war 1936 der Kauf einer Motorspritze Typ TS 8/8 Magirus die bei einem Brand in Wiesenbronn am 28. 06. 1941 erstmals zum Einsatz kam. Die TS 8/8 tat bis Ende der 70 er Jahre ihren Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr, wurde dann von Martin Goehs generalüberholt und hat jetzt ihren Platz im Treppenhaus des Gerätehauses. 

 

Die Welt befand sich im Krieg, die Feuerwehrmänner wurden eingezogen, am 07.12.41 rückte zum ersten Mal die Hitlerjugend als Feuerwehr aus. Eine Gruppe war fünfmal bei Luftangriffen in Schweinfurt eingesetzt. Bei einem dieser Einsätze wurde die TS 8/8 durch den Luftdruck in den Main geschleudert, durch die Schlauchverbindung konnte sie wieder geborgen werden. Am 10.10.1943 wurde auch hier der erste Luftalarm gegeben. Am 19.12.1943 wurden auch Mädchen (BDM) und Frauen in die Reihen der Fw eingereiht. Unter Führung des 1. Kdt. Fritz Wilhelm wurden diese 31 jungen Damen im Feuerlöschwesen ausgebildet; auch das Wehrschießen zählte zur Ausbildung. Am 24.02.1945 wurde unsere Wehr bei den Luftangriffen auf Kitzingen eingesetzt. Vom 9.-11.04.1945 schlug die Schicksalstunde für Kleinlangheim, die vorrückenden amerikanischen Panzerverbände beschossen Kleinlangheim mit Phosphor- und Sprenggranaten, mehr als 35 Gebäude fielen in Schutt und Asche.

So lange die Linde grünt – mehr als ein Dach in Sinne von Anwesen ist nicht abgebrannt.

Der Dienstbetrieb nach dem schrecklichen Krieg wurde bereits im Herbst 1945 durch den 1. Kdt. Fritz Wilhelm wieder aufgenommen. 1950 war die Wehr wieder auf  44 Mann angewachsen und wurde am 24.02.50 in Atzhausen Anwesen Fröhling eingesetzt. Bis zum 75-jährigen Jubiläum im Juni 1952 wurde die Wehr mit Röcken, Mützen und Helmen vollständig ausgerüstet. Das Fest war sehr erfolgreich und man beschloss am 01.09.52 eine Fahne zu bestellen, die im Juni 1954 festlich übergeben wurde. Als einen wesentlichen Beitrag zum Feuerschutz darf der Bau der Fernwasserleitung 1957/1958 angesehen werden, wenn auch viele Kleinlangheimer dagegen protestierten und wir deshalb in die bundesdeutsche Presse (Stern) mit der Überschrift „Weil es eine Zigeunerin prophezeite, darum brennt in Kleinlangheim immer nur ein Haus und darum brauchen sie kein Fernwasser“ kamen. 1962 wurde ein TSF Typ „Ford-Transit“ beschafft. Auf die Ausbildung wurde nun großen Wert gelegt und als dritte Gruppe im Landkreis Kitzingen, legte am 12. Mai 1963 unter Leitung von 1. Kdt. Alfred Bock die erste Kleinlangheimer Gruppe ihre Prüfung für das „ Bronzene „ erfolgreich ab. 

  

Im Mai 1964 wurde ein Gruppenfahrzeug vom Typ Hanomag beschafft. Die neugefasste Satzung trat am 1. Januar 1967 in Kraft. Am 3. und 4. Juni 1967 feierte die Wehr ihr 90jähriges Stiftungsfest im so genannten Kistnersgarten. Die Sage vom Feuersegen erhielt neuen Auftrieb. Als Wehrmänner im Herbst 1971 einen Ast der Linde, der verkehrsbehindert auf die St2272 herausragte, absägen wollten erregten sich die Gemüter. Man ging soweit den Kommandanten mit anonymen Briefen zu drohen und „Alles Gute zuwünschen“ wenn er diesen „Frevel“ anordnet. Letztes Ende beseitigten die Kameraden des THW Kitzingen, die den Feuersegen nicht kannten und anschließend sehr überrascht waren, den störenden Ast. Im Juli 1972 wurde die Sirene auf dem Dach des Rathauses installiert. Eine weitere Anschaffung 1975 war ein Mannschaftstransportwagen Typ Hanomag der von der Bereitschaftspolizei erworben und in wochenlanger Arbeit in ein Feuerwehrfahrzeug umgebaut wurde und den alten Hanomag ablöste. Den ersten größeren Brand nach dem Krieg hatte die Wehr am 7. Mai 1976 als die Scheune von Heinrich Paul in hellen Flammen stand. 

Am 10. Juli 1977 feierte die Wehr ihr 100. jähriges Jubiläum mit Kreisfeuerwehrfest im großen Umfang, weit über hundert Vereine nahmen am Festzug teil mit geschätzten 4000 Personen. Am 14. September 1980 wurde das LF 8 durch Bürgermeister Hans Hügelschäfer – endlich Atemschutz- der Wehr übergeben. Durch Blitzschlag brannte am 9. Mai 1985 die Scheune der Kastnersmühle nieder.

Im April 1986 schlossen sich die Kameraden der Wehr Haidt/Stephansberg dem Feuerwehrverein Kleinlangheim an und die Satzung wurde überarbeitet. Neuer Name: Feuerwehrverein Kleinlangheim/Haidt/Stephansberg.

Am 7. August 1987 konnte Richtfest am neuen Gerätehaus in der Frankenstraße gefeiert werden und am 13. und 14. August 1988 wurde unser neues Heim entsprechend eingeweiht. Weit mehr als fünftausend Stunden arbeiteten die Feuerwehrkameraden unentgeltlich zum Gelingen unseres neuen Gerätehauses und sparten dadurch der Gemeinde eine erhebliche Summe.


Am 22. Mai 1994 wurde der Wehr das neue Löschfahrzeug LF 8 / 6 übergeben, der damit auch bei technischer Hilfeleistung die erforderlichen Geräte zur Seite gestellt wurden. Der Hanomag, der fast 20 Jahre seinen Dienst bei der Feuerwehr tat wurde ausgemustert. KBI Biegner forderte damals vehement  für unsere Wehr eine Anhängerleiter, das aber immer wieder vom damaligen Kommandanten „so ein Ding kommt mir nicht ins Haus“ abgelehnt wurde. Bis 1999 wurden alle Register gezogen um eine gemeinsame Drehleiter in der VG Großlangheim beschaffen zu können. Beim 125. jährigen Gründungsfest 1999 unserer Patenwehr Wiesenbronn wurde die DL 16 / 4 (die erste in Bayern von einer VG beschafft) eingeweiht. Die Leiter steht im halbjährigen Turnus in Klein- und Großlangheim.

1996 war eines der arbeitsreichsten Jahre in der Geschichte der Wehr, hier nur die wichtigsten Einsätze; 10.08 Brand eines Wohnhauses in der Frankenstraße, 29. 10 von Sturm entwurzelt die über 400 Jahre alte Friedhoflinde (Feuersegen?), 2.12 Brand des Wohnhauses des Sägewerk Ramling mit dem tragischen Tod eines Bewohners.

Der schwerste Einsatz unserer Wehr, ein Verkehrsunfall, war am 13. Juni 1997 bei dem unser Kamerad Martin Emmert nur noch Tod aus seinem Fahrzeug geborgen werden konnte.

Durch Unachtsamkeit brannte eine Scheune am 28.08.2000 in der  Pfarrgasse 10 nieder. Am 23.09.2000, kam es zu einem arbeitsaufwendigen Brand im Lagerhaus der Firma Krämer.

2002 wurde natürlich auch unser 125 jähriges Jubiläum gebührend gefeiert sowie wurden die Atemschutzgeräte in Überdruckgeräte ausgetauscht und die Einkleidung der Wehr mit den neuen Schutzanzügen erneuert. Der Wunsch der Wehr für die Beschaffung eines Mehrzweckfahrzeuges wurde 2007 erfüllt. Der Feuerwehrverein beschaffte aus eigenen Mitteln ein gebrauchtes MZF der Marke Mercedes Vito 108 CDI. Auch war die Gemeinde 2007 überzeugt. das 1980 beschaffte LF 8 auszutauschen und beschaffte ein gebrauchtes TLF 8/18. Beide Fahrzeuge wurden am 130 jährigen Jubiläum am Pfingstfest 2007 feierlich der Wehr übergeben.

 

In kurzen Abrissen wurde versucht den Feuerschutz sowie den Werdegang der Freiwilligen Feuerwehr darzustellen. Es konnte nicht alles aufgeführt werden, besonders die vielen Übungen, Schulungen, Lehrstunden sowie den überörtlichen Einsätzen, auch ist die Ausdauer, Einsatzbereitschaft und der Idealismus nicht in Worte zu fassen. Wenngleich sich der Geist der Feuerwehren nicht geändert hat, so hat die Zeit doch vieles überholt; waren es bei der Gründung Löscheimer und Druckspritzen so sind es heute moderne Löschfahrzeuge mit technisch ausgebildeter Besatzung.

Der Markt Kleinlangheim besitzt – für seine Größe – eine bestens ausgerüstete und ausgebildete Wehr die allen an ihr gestellten Anforderungen lösen kann.

Auch unser Feuersegen wird weiterleben, an dem Ort der alten Linde wurde ein neuer Baum gepflanzt, gestiftet vom 1. Bürgermeister Lewandowski.   

„Einer für alle – alle für einen

Gott zur Ehr – dem nächsten zur Wehr“

 

aus dem Protokollbüchern

und Aufzeichnungen von Fritz Grosch und Karl Paul

Fred Bock